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Das böse Teppichmonster!

Vor einigen Tagen wurde mir, wie so oft beim Hantieren mit Kleinstteilen im Modellbau, mein Erzfeind, die Schwerkraft, zum Verhängnis…

Kurz vor Fertigstellung meiner 1/144 Osprey von Tomytec, passierte das Unaussprechliche: eines der vier Bug-Staurohre schnippte von meiner Pinzette und fiel, wie in Zeitlupe, zu Boden. Das sagenumwobene und allseits gefürchtete Teppichmonster öffnete gierig seinen nimmersatten Schlund und verschlang das 1,5 mm kleine Staurohr mit Haut und Haaren.

„Es lauert unbemerkt direkt zu unseren Füßen. Es schmiegt sich an uns, wiegt uns in Sicherheit. Es ist der Schrecken eines jeden Modellbauers…
Es ist das sagenumwobene, nimmersatte Teppichmonster!“

– jan melcher 2018 –

Bereits kurz vor dem Aufprall hatte ich das Teil aus den Augen verloren. So blieb ein Areal von ca. 50 x 50 cm, aus fast 2 cm langen Schlingen, das ich gemeinsam mit meiner Frau, fast eine Stunde lang durchsuchte. Ohne jeglichen Erfolg.
Wenigstens glaubten wir nun zu wissen, wie sich die Besatzung eines Rettungshubschraubers fühlen musste, der ein 100 km² Waldgebiet abflog, um eine vermisste Person zu finden…

Am Abend des übernächsten Tages, getrieben von anhaltendem Wehklagen über meinen herben Verlust, opferte mir meine Bessere Hälfte heroisch eine ihrer Nylon-Strumpfhosen. Schnell und dankbar griff ich zur Schere, stülpte ein in Form geschnittenes Stück des edlen Stoffs als feinmaschigen Filter über die Staubsaugerdüse und saugte den gesamten Bereich noch einmal gründlich ab. Man soll gar nicht glauben, wie viel Krümel, Staub und Partikel sich zwischen diesen Teppichschlingen finden.

Nach 10 Minuten schaltete ich das Gerät – ohne große Hoffnungen auf Erfolg – aus, nahm den Strumpfhosenfilter vorsichtig aus der Düse und entleerte ihn auf einem weißen Blatt Papier.
Mit einem Zahnstocher durchstöberte ich geduldig die fluffige Masse, die in etwa ein halbes Schnapspinnchen hätte füllen können.

Und dann plötzlich, zwischen feinsten Kekskrümeln, Flusen und Hautschüppchen, fand ich es: das vermisste Staurohr

Seitdem durfte ich mir den ganzen Abend von meiner Frau (aka. Heldin des Monats) anhören:
„Du siehst jetzt so richtig glücklich aus…“
Ja, das war ich wohl auch

Im Anschluß bot sie mir an, mir einen „Schlabberlatz“ zu nähen, damit die Teile nicht immer auf dem Boden landen. Schließlich verbringe ich gut 10% meiner Modellbau-Hobbyzeit auf allen Vieren – auf der Suche nach der Wahrheit oder dem Sinn des Lebens? Oder einfach nur wieder mal auf der Suche nach einem heruntergefallenem Bauteil?

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern, Besuchern und Modellbauern ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch und alles Gute für 2019.

Euer Jan

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